Blue Moon
Gleich vorweg: Blau werden wir den Mond nie erblicken. Warum aber bezeichnet man manche Vollmonde dennoch als Blue Moon ?
Ein Mond zuviel
Alle 29 oder 30 Kalendertage ist Vollmond. Denn im Abstand von durchschnittlich 29,53 Tagen bilden Sonne, Erde und Mond eine Linie im Raum. Der Mond steht dann in Opposition zur Sonne.
Solange der Monat an den Mond gekoppelt war und wir das Jahr in Mondmonate unterteilten, gab es immer nur einen einzigen Vollmond pro Mondmonat. Seit Julius Cäsar ist das anders. Er machte den Kalendermonat unabhängig von den Mondphasen. Mit Ausnahme vom Februar dauern seither alle Monate länger als die Zeitspanne von einem Vollmond bis zum nächsten.
Gelegentlich fallen daher zwei Vollmonde in den selben Kalendermonat:
- Mai 2026
- Dezember 2028
- September 2031
- Juli 2034
- Jänner und März 2037
- Oktober 2039
- August 2042
- Mai 2045
Der doppelte Vollmond tritt im Schnitt alle zwei oder drei Jahre auf. Es klappt bloß, wenn sich der erste Vollmond gleich zu Monatsbeginn einstellt. Nur dann geht sich knapp vor Monatsende noch ein zweiter aus. Dabei sind die langen Monate (31 Tage) statistisch gegenüber den kürzeren Monaten (30 Tage) bevorzugt.
Hingegen kennt der kurz geratene Februar mitunter nicht einmal einen einzigen Vollmond: In diesem Fall wird der Februar aber von Doppelvollmonden im Jänner und im März desselben Jahres flankiert (siehe oben, 2037).
Durcheinander
Früher trugen die Vollmonde lyrische Bezeichnungen. Im Mai schien z.B. der Wonnemond auf uns herab, gefolgt vom Brachmond im Juni. Verzeichnete man zwei Vollmonde im Mai, hätte man den zweiten bereits Brachmond nennen müssen. Mit diesem verfrühten Eintreten des Brachmonds wären die alten Bezeichnungen durcheinander geraten.
- Ab 1818 nannte ein US-amerikanischer Bauernkalender (Maine Farmers' Almanach) den vierten Vollmond einer (ja drei Monate dauernden) Jahreszeit deshalb Blue Moon - und schob diesen quasi zwischen die altvertrauten Mondnamen ein.
- 1946 geriet der Begriff Blue Moon dann aufgrund eines Irrtums in der US-Zeitschrift Sky & Telescope zur Bezeichnung für den 2. Vollmond im selben Kalendermonat. Diese falsche Interpretation fand speziell ab den 1980er Jahren mediale Verbreitung, so dass ein zweiter Vollmond im Monat heute gern Blue Moon genannt wird.
Blue Moon Songs
In Summe gelten nur rund 3 Prozent aller Vollmonde als Blue Moons. Aufgrund dieser Rarheit existiert im Englischen die Redewendung "Once in a blue moon" - für Ereignisse, die nur ganz selten sind. Im Deutschen würden wir statt dessen "alle Jubeljahre" sagen oder "alle heiligen Zeiten einmal".
- In diesem Sinn nahmen Benny Krueger und sein Orchester 1934 das hoffnungsvolle Lied "Once In A Blue Moon" (Internet-Archiv, USA) auf, und zwar für die musikalische Filmkomödie "We're not dressing" mit Bing Crosby und Carole Lombard (deutscher Titel: "Schiffbruch unter Palmen" ): Irgendwann, so hört man hier, werde sich die Geliebte schon einstellen. Und zwar "out of a clear blue sky", also gleichsam "aus heiterem Himmel".
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Gebiete mit höherem Titangehalt im Mondboden besitzen tatsächlich einen bläulichem Teint. Um das zu sehen, reicht die Farbtüchtigkeit unserer Augen nicht.
Früher machte man den Mond (Luna) aber auch für die menschliche Stimmung verantwortlich: Daher die Ähnlichkeit der Worte Luna und Laune.
Im Englischen steht blue außerdem auch für Traurigkeit. Daher lag der Begriff Blue Moon nahe, um eine besonders traurige, meist nächtliche Stimmung zu beschreiben. Dieser Blue Moon eroberte die Schallplattenbranche:
- 1934 schrieben Richard Rodgers und Lorenz Hart den Song “Blue Moon” (Internet-Archiv, USA). Hier hört der Mond die Gebete eines einsamen Menschen, der sich nach einem Partner sehnt. Besondere Beliebtheit erfuhr die Interpretation von Ella Fitzgerald (Youtube-Link, USA). Erwähnt seien auch die Jazz-Versionen von Diane Shaw (Youtube-Link, USA) oder Peggy Lee (Youtube-Link, USA).
- Ein paar Jahre später ließ Gene Sullivan seine Heimat Texas hinter sich. Während der Fahrt nach Oklahoma verfasste er “When My Blue Moon Turns To Gold Again” (Internet-Archiv, USA). Das Lied kreist um gemeinsame Erinnerungen und um die Hoffnung, die Geliebte wieder zu sehen - dann würde sich der “Blue Moon” zurück in “Gold” verwandeln.
- 1947 nahm Bill Monroe “Blue Moon of Kentucky” (Internet-Arcvhiv, USA) auf: Seine Geliebte bricht in einer Mondnacht auf, er bleibt traurig zurück. Der Blue Moon möge weiter auf sie scheinen, heißt es in diesem Klassiker der Bluegrass-Music.
Elvis Presley spielte alle drei genannten Blue Moon Songs ein (z.B. When My Blue Moon Turns to Gold Again, Youtube-Link, USA).
In den Fünfzigerjahren taufte er sogar seine Band Blue Moon Boys.
Foto links:
Diese Platte erstand einst mein Vater - Elvis Presley, When My Blue Moon Turns To Gold Again
Der Blue Moon war also bereits ein besungenes Sinnbild von Liebeskummer, Einsamkeit und Sehnsucht - noch bevor er nach 1980 Bekanntheit als astronomisch-kalendarisches Phänomen errang. Weitere Blue Moon Songs folgten.
- Rosanne Cash, Tochter des legendären Country-Stars Johnny Cash, sang 1981 ein bitteres “Blue Moon With Heartache” (Youtube-Link, USA) - voller Wehmut über die erloschene Liebe in einer noch bestehenden Beziehung.
- 1984 wollte Nanci Griffith in “Once In A Very Blue Moon” (Youtube-Link, USA) ihren ehemaligen Geliebten glauben machen, ihn nur noch selten zu vermissen. Doch sie fühlt: Ein solch rarer Blue Moon steht bevor.
- Schwermütig ist auch “Does That Blue Moon Ever Shine On You ?” (Youtube-Link, USA) aus dem Jahr 1996. Er stammt vom früh verstorbenen Country-Sänger Toby Keith: Bereut die, die er gehen ließ, das Ende der Beziehung so wie er? Leuchtet auf beide der selbe, traurige Mond herab?
Blau ist keine lunare Farbe
In jedem Fall ist Blue Moon nur eine Redewendung, ein Teil von Songtiteln oder die Bezeichnung für ein kalendarisches Phänomen.
Hätte unser Kalender einen anderen Startpunkt als den 1. Jänner, oder besäßen die Kalendermonate etwas andere Längen, oder hätten wir die Kalenderreform von 1582 nicht umgesetzt - in jedem dieser Fälle gerieten andere Vollmonde zu Blue Moons.
An der Farbe des betreffenden Mondes ändert sich jedenfalls rein gar nichts - sofern man ihn nicht durch einen blauen Filter betrachtet. Das kann man natürlich probieren: Spaßeshalber.
Foto links:
Blau ist der Mond nur, wenn man sein Foto künstlich einfärbt oder ihn durch ein blaues Glas anschaut
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